Wissensnetzwerke für die Dekarbonisierung der Wirtschaft | DekaRB-Workshop beim Tridelta Campus Hermsdorf e.V.

Wie können Unternehmen Dekarbonisierung konkret im Arbeitsalltag umsetzen? Welche Unterstützung brauchen sie, um klimafreundlicher, energieeffizienter und zugleich zukunftsfähig zu werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Workshops des Projekts DekaRB, der am 30. Juni 2026 in den Räumen des Tridelta Campus Hermsdorf e.V. stattfand. Gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern aus dem Campus-Netzwerk diskutierte das DekaRB-Team bisherige Projektergebnisse, aktuelle Herausforderungen und mögliche Unterstützungsangebote für die betriebliche Praxis.

Vom Forschungsergebnis zur praktischen Unterstützung

Im bisherigen Projektverlauf hat DekaRB zahlreiche Interviews mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Energiewirtschaft geführt. Zusätzlich wurden Unternehmen in den drei Fokusregionen zu Hemmnissen bei der Umsetzung von Dekarbonisierungsmaßnahmen befragt. Der Workshop in Hermsdorf bot nun die Gelegenheit, diese Erkenntnisse gemeinsam mit Unternehmen einer weiteren Untersuchungsregion zu reflektieren. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Wissen, Förderinformationen und praktische Unterstützung so aufbereitet werden können, dass sie im Unternehmensalltag tatsächlich hilfreich sind.

Nachhaltigkeit wird zur betrieblichen Daueraufgabe

Ein zentrales Thema der Diskussion waren die wachsenden Anforderungen durch neue Nachhaltigkeitsregulierungen. Viele Unternehmen sehen sich zunehmend mit Dokumentations-, Berichts- und Zertifizierungspflichten konfrontiert. Besonders Zulieferunternehmen müssen entsprechende Nachweise häufig auf Anfrage ihrer Kundinnen und Kunden bereitstellen. Die Teilnehmenden machten deutlich: Diese Aufgaben binden inzwischen erhebliche personelle Ressourcen. Gleichzeitig ist es für Unternehmen nicht immer leicht, passende Informationen, Fördermöglichkeiten oder Ansprechpartner schnell zu finden. Auch der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft braucht oft Zeit. Genau hier setzt DekaRB an: Das Projekt möchte Orientierung schaffen, Wissen bündeln und Unternehmen auf dem Weg zur Dekarbonisierung praxisnah unterstützen.

Neue Ideen für besseren Wissenstransfer

Im Austausch mit den Teilnehmenden entstanden mehrere konkrete Vorschläge, wie Unternehmen künftig besser unterstützt werden können. Angeregt wurde unter anderem ein regelmäßiger Newsletter, der kompakt über aktuelle Fördermöglichkeiten, Projektergebnisse und relevante Entwicklungen informiert. Ein weiterer Schwerpunkt war die Idee einer Wissens- und Netzwerkplattform. Dort könnten Kompetenzen innerhalb des Campus sichtbar gemacht und für Mitgliedsunternehmen zugänglich werden. Unternehmen könnten sich beispielsweise zu Zertifizierungen, regulatorischen Anforderungen oder technischen Lösungen austauschen und voneinander lernen. Damit eine solche Plattform erfolgreich ist, braucht es aus Sicht der Teilnehmenden klare Strukturen, verlässliche Informationen und hohe Datensicherheit.

Daraus entstand die Idee eines standortbezogenen Navigationssystem, welches künftig helfen könnte, Wissen, Unterstützungsangebote und passende Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner rund um Energie, Dekarbonisierung und Transformation leichter auffindbar zu machen. Die Grundidee: Unternehmen sollen schneller erkennen können, wer im Netzwerk zu welchem Thema Erfahrung hat und wo konkrete Hilfe verfügbar ist. Denkbar wäre eine digitale Struktur mit Themenbereichen, Unterkategorien und fachlichen Ansprechpersonen – ähnlich einem praxisnahen Wissensportal oder »digitalen Wikipedia« für Transformationsfragen am Standort – also: Wen kann ich zu einem bestimmten Thema unkompliziert ansprechen? Ein solches Navigationssystem könnte bestehendes Wissen im Campus-Netz bündeln, den Austausch erleichtern und Unternehmen dabei unterstützen, schneller von der Information zur Umsetzung zu kommen.

Ergänzend wurde die Idee sogenannter Transformationslotsen entwickelt. Dabei handelt es sich um benannte Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aus den Mitgliedsunternehmen, die ihre Expertise zu bestimmten Themen in das Netzwerk einbringen. Sie könnten als erste Anlaufstelle dienen, Fragen einordnen, Erfahrungen teilen und bei Bedarf an weitere Expertinnen und Experten vermitteln. So würde vorhandenes Know-how im Netzwerk besser sichtbar und nutzbar. Einigkeit bestand darüber, dass die Themen Nachhaltigkeit, Dekarbonisierung und Umweltschutz künftig noch stärker im Campus-Netzwerk verankert werden sollten. Als möglicher nächster Schritt wurde daher die Einrichtung eines Arbeitskreises vorgeschlagen. Dieser könnte weitere Unterstützungsangebote – in Zusammenarbeit mit dem DekaRB-Projektteam – entwickeln, den Austausch zwischen Unternehmen fördern und die im Workshop entstandenen Ideen weiter konkretisieren.

Gemeinsam Transformation gestalten

Der Workshop hat gezeigt: Dekarbonisierung ist nicht nur eine technische Aufgabe. Sie braucht Wissen, Orientierung, Austausch und tragfähige Netzwerke. Der direkte Dialog mit Unternehmen ist deshalb entscheidend, um Unterstützungsangebote zu entwickeln, die im betrieblichen Alltag wirklich anschlussfähig sind. Die Ergebnisse des Workshops fließen nun in die weitere Arbeit des DekaRB-Projekts, insbesondere in die Ausarbeitung und Erprobung der genannten Maßnahmen ein. Ziel ist es, gemeinsam mit der Praxis konkrete Wege für eine klimafreundliche und zukunftsfähige industrielle Transformation zu gestalten.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden für die engagierte Diskussion und die wertvollen Impulse!

Sie konnten nicht dabei sein? Ihre Meinung ist trotzdem gefragt!
Bringen Sie Ihre Perspektive in unserer Umfrage ein.

Sie möchten die vorgestellten Maßnahmen bewerten, eigene Ideen einbringen oder mit dem DekaRB-Team Kontakt aufnehmen? Über unsere kurze Umfrage können Sie uns Ihre Rückmeldung übermitteln und die weitere Ausgestaltung der Unterstützungsangebote mitgestalten. Zur Umfrage:

https://umfrage.uni-jena.de/?r=survey/index&sid=695449&lang=de