Dekarbonisierung am Erfurter Kreuz: Unternehmen setzen auf gemeinsame Lösungen für eine resiliente Industrie

Workshop des Forschungsprojekts DekaRB bringt Wirtschaft, Wissenschaft und Praxispartner zusammen

Am 6. Mai 2026 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen gemeinsam mit Forschenden und Energieexpertinnen und -experten sowie weiteren Gästen bei der ETM GmbH in Arnstadt über konkrete Wege zur klimafreundlichen Transformation der Industrie. Der zweistündige Workshop „Dekarbonisierung im Unternehmen: Chancen. Strategien. Lösungen. Jetzt." zeigte eindrucksvoll: Viele Unternehmen wollen den Wandel aktiv gestalten – benötigen dafür jedoch verlässliche Rahmenbedingungen, regionale Kooperationen und praxisnahe Unterstützungsangebote. Veranstaltet wurde der Workshop vom Konsortium des BMWE-geförderten Forschungsprojekts DekaRB [Link] unter der Schirmherrschaft der Initiative Erfurter Kreuz (IEK) e.V.

Dekarbonisierung als Wettbewerbsfaktor

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen nicht nur die Herausforderungen der Energiewende, sondern vor allem konkrete Lösungsansätze für Unternehmen im produzierenden Gewerbe. Das DekaRB-Projekt untersucht seit September 2024 über eine Laufzeit von drei Jahren, welche nicht-technischen Faktoren Transformationsprozesse behindern – darunter Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen, fehlende Koordination oder mangelnde Akzeptanz.

Dr. Stefanie Seitz vom Fraunhofer IKTS stellte die Ziele des Verbundprojekts vor und betonte die Bedeutung regionaler Kooperationen für eine erfolgreiche industrielle Transformation. Das Projekt arbeitet dazu eng mit drei Industrieclustern in Thüringen zusammen – der Initiative Erfurter Kreuz, dem Tridelta Campus Hermsdorf und der Saalewirtschaft e.V. – und verfolgt dabei einen kooperativen Ansatz: Gemeinsam mit Praxispartnern werden Lösungen entwickelt, prototypisch umgesetzt und in den Untersuchungsregionen getestet.

Praxisbeispiel zeigt wirtschaftliche Potenziale der Energiewende

Für besondere Resonanz sorgte der Praxisbericht von Markus Hellmund von der MAXX SOLAR & ENERGIE GmbH & Co. KG. Der Vortrag stieß beim Publikum auf außerordentlich großes Interesse, da Hellmund offen und anhand konkreter Kennzahlen detaillierte Einblicke in das Vorgehen bei der Transformation des eigenen Unternehmens gab. Er zeigte auf, wie das Unternehmen durch Photovoltaik-Eigenstromerzeugung, einen Batteriespeicher, Wärmepumpentechnik und die Integration von Elektrofahrzeugen – sowohl des eigenen Fuhrparks als auch der Mitarbeiterfahrzeuge – eine nahezu energieautarke Versorgung aufgebaut hat.

Der Vortrag machte deutlich, dass Dekarbonisierung nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, sondern zugleich erhebliche wirtschaftliche Vorteile, höhere Versorgungssicherheit und langfristige Resilienz für Unternehmen schafft. Hellmund verdeutlichte darüber hinaus, welche wirtschaftlichen und sozialen Vorteile sich aus der konsequenten Umsetzung für das gesamte Unternehmen und seine Belegschaft ergeben.

Studie zeigt zentrale Hemmnisse für Unternehmen

Thomas Rehfeldt von der Friedrich-Schiller-Universität Jena präsentierte Zwischenergebnisse der empirischen Studie des DekaRB-Projekts. Grundlage der Untersuchung sind bislang über 60 leitfadengestützten Interviews mit Unternehmen und außerbetrieblichen Akteuren aus Politik, Verwaltung, Verbänden und Wissenschaft. Die Untersuchung zeigt drei zentrale Herausforderungen:

  • Strukturelle Hemmnisse: Wirtschaftliche Unsicherheit und geringe Risikobereitschaft insbesondere bei KMU, verstärkt durch zunehmenden wirtschaftlichen Druck und politische Rahmenbedingungen, die eine Haltung des Abwartens fördern.
  • Bürokratie und Beteiligungsdefizite: Hohe bürokratische Anforderungen, fehlende strategische Orientierung sowie mangelnde Kommunikation und Transparenz bei Planungsprozessen auf kommunaler und betrieblicher Ebene.
  • Ängste und soziale Konflikte: Gesellschaftliche Verunsicherung, Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Transformation sowie Polarisierung und Desinformation – verstärkt durch soziale Medien und populistische Akteure.

In der anschließenden Diskussion bestätigten die Teilnehmenden eindrücklich die Ergebnisse aus ihrer eigenen Unternehmenspraxis. Die Befunde der Studie, die auch im DekaRB-Whitepaper [Link] veröffentlicht wurden, decken sich weitgehend mit den Erfahrungen und Eindrücken der anwesenden Unternehmensvertreterinnen und -vertreter. Besonders deutlich wurde der Wunsch nach konkreten, regional verankerten Unterstützungsstrukturen artikuliert

Unternehmen wünschen sich regionale Kooperationen

Im letzten Teil des Workshops stellten Dr. Stefanie Seitz (Fraunhofer IKTS) und Maria Siegl (ThEEN e.V.) im Rahmen von „Maßnahmen-Pitches" konkrete Unterstützungsangebote für Unternehmen vor, die das DekaRB-Team gemeinsam mit den Praxispartnern entwickelt hat. Das Spektrum umfasste unter anderem:

  • Informations- und Bildungsangebote (flexible Online-Module, Workshops und Austauschformate),
  • Change-Management-Begleitung und strategische Prozessunterstützung,
  • Koordination von Verbünden, Projektmanagement und begleitende Kommunikation,
  • gemeinsame Initiativen und thematische Arbeitsgruppen zur Umsetzung konkreter Vorhaben.

Die Teilnehmenden priorisierten insbesondere lokale Initiativen und praxisorientierte Arbeitskreise, in denen Unternehmen konkrete Herausforderungen gemeinsam bearbeiten können. An zweiter Stelle standen Beratungsangebote, insbesondere zur Orientierung in der Förderlandschaft, gefolgt von der Bereitstellung spezifischen Wissens – beispielsweise zu Realisierungsmöglichkeiten der Energiewende.

Ein zentrales Ergebnis der Veranstaltung war zudem der Vorschlag, an die bestehende IEK e.V.-Projektinitiative „Clean EFX" anzuknüpfen und ein gemeinsames Vorhaben zu entwickeln, um eine kostengünstige und verlässliche erneuerbare Energieversorgung im Gewerbegebiet Erfurter Kreuz zu realisieren.

Forschung und Praxis gemeinsam denken

Die Ergebnisse des Workshops wurden im Anschluss auf der Mitgliederversammlung des IEK e.V. vorgestellt und stießen dort auf großes Interesse. Damit konnte die Veranstaltung direkt genutzt werden, um einem breiteren Publikum die Erkenntnisse zu präsentieren und weitere Unternehmen sowie Mitstreiterinnen und Mitstreiter für gemeinsame Transformationsprojekte – insbesondere die Clean-EFX-Initiative – zu gewinnen.

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