DekaRB Impulse von der Regionalpolitischen Jahrestagung 2026 des BMWE

Am 2. und 3. März 2026 fand in Halle (Saale) die Regionalpolitische Jahrestagung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) statt. Über 700 Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft, Verbänden und Gewerkschaften diskutierten dort über innovative Ansätze, wirksame Instrumente und bewährte Methoden einer zukunftsorientierten Regionalentwicklung. Auch für das Projekt »DekaRB – Dekarbonisierung für eine resiliente Wirtschaft beschleunigen« lieferte die Jahrestagung wichtige Impulse.

Jana Liebe, Teilprojektleiterin und Geschäftsführerin des Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerks (ThEEN) e. V., nahm an der Tagung teil und brachte zentrale Erkenntnisse aus den Diskussionen mit, die für die regionale Ausgestaltung von Transformationsprozessen – insbesondere in strukturell geprägten Regionen – von hoher Relevanz sind:

Transformation findet in Regionen statt

Ein zentrales Fazit der Tagung: Transformation ist kein abstraktes Ziel, sondern vollzieht sich konkret in Regionen – mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen, wirtschaftlichen Strukturen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Genau auf dieser Ebene entscheidet sich, ob Wandel getragen und aktiv mitgestaltet oder abgelehnt wird. Damit rückt die regionale Ebene und somit auch Industriecluster noch stärker in den Fokus einer wirksamen Transformations- und Strukturpolitik.

Reallabore: Vom »Regel‑Test« zum regulatorischen Lernen

Breiten Raum nahm die Diskussion um Reallabore ein. Sie wurden klar als Freiräume für Innovation unter realen Bedingungen verstanden – nicht primär als klassisches Förderinstrument, sondern als Werkzeug, um technologische, organisatorische und regulatorische Innovationen gemeinsam weiterzuentwickeln. Der Fokus verschiebt sich dabei vom bloßen Test einzelner Projekte hin zu systematischem regulatorischem Lernen. Mit der Geschäftsstelle Reallabore im BMWE und dem entstehenden Reallabor‑Innovationsportal wird derzeit eine Infrastruktur aufgebaut, die Reallabore skalierbar und dauerhaft wirksam machen soll. Dazu gehören Beratung und Vernetzung im Netzwerk Reallabore, Wissenstransfer und Sichtbarkeit über das Portal, eine geplante Übersicht über bestehende Experimentierklauseln sowie – perspektivisch – eine systematische Erfassung von Wirkungen.

Als Zielbild wurden ein Standard-Experimentierklausel benannt. Entscheidend ist dabei die Verstetigung: Lernen soll nicht bei einzelnen Pilotprojekten enden, sondern dauerhaft in Politik und Verwaltung zurückwirken. Deutlich wurde auch: Reallabore sind kein regionalpolitisches Instrument im engeren Sinne, sie können Regionen und beteiligte Akteur:innen jedoch konkret handlungsfähig machen – ein Ansatz, der auch für DekaRB von hoher Relevanz ist. Vor diesem Hintergrund ist das aktuell im parlamentarischen Verfahren befindliche Reallaborgesetz ein wichtiger Schritt, um regulatorisches Lernen strukturell zu verankern.

Strukturpolitik weiterdenken: GRW, Cluster und Digitalisierung

Neben neuen Instrumenten wurden auch der Erfolg und die Bedeutung klassischer strukturpolitischer Ansätze betont – verbunden mit dem Appell, »zum Spirit zurückzukommen« und regionale Entwicklung wieder stärker aus eigenen Kräften heraus zu gestalten. Die Gemeinschaftsaufgabe »Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur« (GRW) wurde dabei als zentrales Erfolgsmodell hervorgehoben, das jedoch vorausschauend weiterentwickelt werden muss. Ebenso wurde für eine stärkere Rolle von Clustern plädiert – unter Berücksichtigung ihrer sehr unterschiedlichen Ausprägungen in Deutschland. Der Mittelstand wurde als wichtiger Stabilitätsanker der Deutschen Wirtschaft beschrieben, da er in vielen Regionen eine vergleichsweise hohe Resilienz gegenüber Transformationsdruck aufweist. Als konkretes Beispiel für notwendige Modernisierungsschritte wurde das »Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand ZIM« genannt, das als erstes vollständig digitales Förderprogramm für mehr Tempo und Einfachheit in Förderprozessen steht.

Wo Wandel spaltet: Transformationsdruck trifft Daseinsvorsorge

Aus wissenschaftlicher Perspektive wurde deutlich: Wo sich wirtschaftlicher und technologischer Transformationsdruck stark verdichtet, sinkt häufig die Bereitschaft, Wandel aktiv mitzutragen. Dies ist nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine demokratiesensible Herausforderung. Studien – unter anderem mit Blick auf Südthüringen – zeigen einen hohen Transformationsdruck in Regionen, in denen zugleich Fragen der Daseinsvorsorge besonders virulent sind. Die Forschung verweist jedoch auch auf wirksame Gegenstrategien: Strukturen stärken, bevor Belastungen akut werden, eine proaktive Regional‑ und Strukturförderung sowie gezielte Investitionen können politische Unzufriedenheit messbar dämpfen, etwa mit Blick auf Wahlergebnisse. Eine zentrale Stellschraube der Diskussion war daher, erwartbaren Transformationsdruck künftig als vorausschauendes Kriterium stärker in der GRW zu berücksichtigen – statt erst zu reagieren, wenn Belastungen bereits eskalieren.

Relevanz für DekaRB – ein persönliches Take‑away von Jana Liebe

Die Diskussionen der Regionalpolitischen Jahrestagung 2026 unterstreichen zentrale Annahmen des Projekts DekaRB: Erfolgreiche Dekarbonisierung braucht mehr als technologische Lösungen. Wenn Wandel lernend gestaltet wird – etwa über Reallabore – und gleichzeitig tragfähige regionale Strukturen sowie die Weiterentwicklung der Infrastrukturen z. B. über die Daseinsvorsorge, kann Transformation zu einem gemeinsamen Projekt werden – statt zu einem spaltenden Faktor. Dabei können auch die GRW wie andere Programme unterstützen. 

© ThEEN e.V.