Im Rahmen der 2. Energieforschungskonferenz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie am 12. November 2025 in Berlin hatten wir die Möglichkeit die ersten Ergebnisse des Projekts DekaRB – Dekarbonisierung für eine Resiliente Wirtschaft Beschleunigen mit Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu diskutieren. Die Gestaltung eines Thementischs mit dem Titel »DekaRB: Gesellschaftliche Dynamiken in Industrieclustern – Hürden verstehen, Wandel gestalten« moderiert von Jana Liebe (ThEEN e.V.) und Dr. Stefanie Seitz (Fraunhofer IKTS) gab uns den Rahmen dafür. Auf Basis unseres ersten Whitepapers haben wir zehn Thesen entwickelt, die mit den Tischrundenteilnehmerinnen und -teilnehmern diskutiert und weiterentwickelt wurden.
In der ersten Diskussionsrunde kamen Expert:innen aus Wissenschaft und Netzwerken zu Wort, die vielfältige Perspektiven auf die gesellschaftlichen Dynamiken der Dekarbonisierung einbrachten. Eine Wissenschaftlerin der TU Berlin betonte die Notwendigkeit, Unternehmen auf kommunaler Ebene Räume für offene Debatten zu schaffen und ihnen mehr Handlungssicherheit zu geben. Sie hob hervor, dass gerade auf lokaler Ebene Unsicherheiten und fehlende Klarheit oft Investitionsentscheidungen erschweren. Dabei verwies sie auf die Bedeutung von transparenten Informationsangeboten und die Schaffung von vertrauensvollen Dialogformaten, um Ängste und Vorbehalte abzubauen.
Eine Wissenschaftlerin vom KIT-ITAS ergänzte, dass eine gemeinsame Visionsbildung mit den Menschen vor Ort essenziell sei, um Akzeptanz und Vertrauen zu fördern. Sie erläuterte, wie wichtig es sei, die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse der Akteursgruppen frühzeitig zu integrieren, um Konflikte zu vermeiden und eine breite gesellschaftliche Unterstützung zu sichern. Besonders wichtig sei dabei die frühzeitige Einbindung des Handwerks, das als Schlüsselakteur in der Umsetzung von Energiewende-Maßnahmen gilt, da es direkten Kontakt zu den Bürger:innen hat und als vertrauenswürdiger Vermittler fungieren kann. Ein PtJ-Referent unterstrich die Wichtigkeit von Capacity Building, also Fachwissen und methodische Kompetenzen, um die Transformation zu bewältigen. Die Rolle von Netzwerken und sogenannten »Kümmerern« vor Ort, die als Multiplikatoren positive Erfahrungen verbreiten und so Hemmnisse abbauen können, ist dabei nicht zu unterschätzen. Er berichtete von erfolgreichen Praxisbeispielen, in denen lokale Initiativen durch gezielte Unterstützung und Vernetzung eine spürbare Dynamik entfalten konnten.
Jana Liebe von ThEEN e.V. betonte, dass eine fehlende Kommunikation dazu führe, dass die Transformation nicht als gemeinschaftliche Aufgabe wahrgenommen werde, was Widerstände verstärke, die sich in »Wut gegen Bevormundung« äußert. Sie forderte eine stärkere Einbindung aller gesellschaftlichen Gruppen und eine klare Kommunikation der Vorteile und Chancen der Dekarbonisierung, um Ängste vor Arbeitsplatzverlust und sozialer Ungerechtigkeit zu adressieren.
Die zweite Diskussionsrunde richtete den Fokus auf technologische und politische Herausforderungen. Zwei Forschende vom Fraunhofer ISE erläuterten, dass Investitionen in neue Technologien häufig an Unsicherheiten scheiterten, die durch hohe Strompreise und mangelnde Erprobung innovativer Systeme verstärkt würden. Sie hoben hervor, dass neben technischen Aspekten auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen und politische Stabilität entscheidend für die Akzeptanz und Umsetzung neuer Technologien seien. Ein Vertreter aus der Solarindustrie in Süddeutschland wies darauf hin, dass ein fehlender Austausch zwischen Industrie und Politik Raum für Desinformation und Missverständnisse lasse, was die Akzeptanz erschwere. Er plädierte für einen kontinuierlichen Dialog und eine stärkere Einbindung der Industrie in politische Entscheidungsprozesse, um realistische und praktikable Rahmenbedingungen zu schaffen. Zwei Forschende vom Institut für Sozialökologische Forschung und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt betonten, dass ohne klare politische Anreize und Beteiligungsformate die notwendige Dynamik für den Wandel ausbleibe. Sie verwiesen auf die Bedeutung von partizipativen Prozessen, die Bürger:innen und andere Akteure aktiv in die Gestaltung der Energiewende einbinden. Eine Forschende des Instituts für Stadtforschung und Strukturpolitik und ein Referent des BMWE machten deutlich, dass Forschung nicht nur technisch fokussiert, sondern auch politisch wirksam sein müsse. Dazu sei eine aktive Argumentationsarbeit erforderlich, um die Menschen mitzunehmen, sie zu überzeugen, dass der Wandel gut ist. Sie unterstrichen die Notwendigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu kommunizieren und politische Entscheidungsträger:innen bei der Entwicklung von Strategien zu unterstützen.
Die erste Runde unterstrich die Bedeutung von transparenten Kommunikationsstrategien und der Einbindung aller gesellschaftlichen Gruppen, insbesondere auf lokaler Ebene. Die Expert:innen betonten, dass Netzwerke und Multiplikatoren vor Ort essenzielle Rollen spielen, um Hemmnisse abzubauen und Akzeptanz zu fördern. Die Einbindung von Handwerk und Bürger:innen wurde als Schlüssel für eine breite gesellschaftliche Unterstützung hervorgehoben. Die zweite Runde ergänzte diese Perspektive um die technologische und politische Dimension. Hier wurde die Notwendigkeit klar, politische Anreize zu setzen und partizipative Formate zu etablieren, die Bürger:innen und Industrie gleichermaßen einbinden. Die Diskussion zeigte, dass Forschung und Politik Hand in Hand gehen müssen, um wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu kommunizieren und praktikable Rahmenbedingungen zu schaffen. Insgesamt wurde deutlich, dass Dekarbonisierung nicht nur eine technische Herausforderung ist, sondern vor allem ein politisches und gesellschaftliches Projekt, das Mut, Kommunikation und aktive Teilhabe erfordert. Die Energiewende braucht neben innovativen Technologien vor allem verlässliche politische Strategien und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz, um nachhaltig und krisenfest gestaltet zu werden.